Was ist ein Workshop?

Oktober 24, 2026

Coachingpaket karriere mit sinn

Dieser Blogartikel bezieht sich auf meine Podcastepisode #108.
Hier kannst Du gleich reinhören und den Podcast kostenfrei abonnieren.

Mehr zum 
Podcast "Eindeutig Coaching" findest Du hier.


Inhaltsverzeichnis

  1. Die „Tipp mal eine 1“-Falle

  2. Vier Arten von Workshops und eine Mogelpackung
    2.1 Lern-Workshops
    2.2 Arbeits- und Ergebnis-Workshops
    2.3 Teamentwicklungs-Workshops
    2.4 Persönliche Entwicklungs-Workshops

  3. Coaching im "flüssigen Zustand"

  4. Die fünf Merkmale eines coachingbasierten Workshops
    4.1 Es setzt an an Bedeutsamkeit
    4.2 Coaching-Resonanz als Haltung
    4.3 Unterstützung der individuellen Zielerreichung
    4.4 Die Beziehungen stärken (zu sich, zu anderen, zum Thema)
    4.5 Eine wertschätzende Atmosphäre mit Leichtigkeit und Humor

  5. Worauf es ankommt


1. Die „Tipp mal eine 1“-Falle

Ich sitze in einem "Workshop". Es geht um Online-Business.
Die Beteiligung findet im Chat statt: Von wo seid Ihr heute zugeschaltet...?

Teilweise interessanter Input, manchmal ein bisschen viel Erfolgsgeschichte aus dem Leben des Vortragenden ("Ich sag das nicht, um anzugeben....")
Trotzdem: gute neue Gedanken, ich bleib dabei.

Dann aber wird es zunehmend unangenehm. Mir jedenfalls.

Die Zeit ist gekommen: wir sollen uns wieder beteiligen: „Wenn Du das spannend findest, tipp mal eine 1 in den Chat.“
Oder etwas später: „Willst Du mehr wissen? Schreib ein Ja!“

Ich überlege, ob das der Moment ist, rauszugehen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: dieses Gehechel nach Ego-Streicheleinheiten (oder vielleicht war es auch bloß eine Verkaufstaktik aus dem Vertriebstraining) oder die Tatsache, dass sehr viele der Aufforderung folgen.

Mit einem Workshop - wie ich ihn verstehe - hat das wenig zu tun. Eher ist es eine Verkaufsveranstaltung mit Alibi-Beteiligung.

Also: was ist überhaupt ein Workshop?

Coachingpaket leadership

Coaching mit Seilen (4)

2. Vier Arten von Workshops und eine Mogelpackung

Ein Workshop ist eine interaktive Arbeitsform, bei der Teilnehmende praxisnah Fähigkeiten erwerben, konkrete Ergebnisse erarbeiten, ihre Zusammenarbeit verbessern oder persönliche Klärung finden – im klaren Gegensatz zum reinen Frontalvortrag.

Eine allgemeingültige DIN-Norm für das Wort „Workshop“ gibt es nicht. Wer durch Organisationen, Unternehmen und Online-Räume streift, entdeckt jedoch vier Richtungen:

2.1 Lern-Workshops 

Hier erarbeiten sich die Teilnehmenden Wissen und Fähigkeiten aktiv. Kein Frontalvortrag mit fünf Minuten Fragerunde am Ende, sondern Lernen durch Üben, Diskutieren, Anwenden.

2.2 Arbeits- und Ergebnis-Workshops 

Ein Team, eine Projektgruppe, eine Organisation entwickelt gemeinsame Ziele, Strategien und Maßnahmenpläne. Am Ende steht ein greifbares Ergebnis, mit dem alle weiterarbeiten können.

2.3 Teamentwicklungs-Workshops

Hier geht es um die Zusammenarbeit selbst. Wer übernimmt welche Rolle? Wie greifen die Stärken ineinander? Wo klemmen Schnittstellen oder Konflikte, und wie lassen sie sich lösen?

2.4 Persönliche Entwicklungs-Workshops

Unter einem gemeinsamen Rahmenthema (wie zum Beispiel "Führung" oder "berufliche Neuausrichtung") arbeitet jede Person an ihren eigenen Zielen. Die Gruppe dient als Resonanzraum, in dem man sich austauscht, voneinander lernt und sich selbst auf die Spur kommt.

Daneben existiert noch eine fünfte Variante, die wir getrost als Scheinbeteiligung verbuchen dürfen. Das sind Alibi-Runden in Kommunen oder Unternehmen, bei denen die Entscheidung längst in der Schublade liegt oder niemand die erarbeiteten Flipcharts je wieder anschaut.


3. Coaching im flüssigen Zustand

Coaching lässt sich in verschiedenen Aggregatzuständen denken. In seiner festen Form (wie Eis bei H2O) ist es das klassische 1:1-Setting im geschützten Raum.

Coaching im flüssigen Zustand bedeutet: Du nutzt die Haltung, die Fragetechniken, die Methoden des Coachings in anderen Kontexten.

Zum Beispiel in der Führung, im Unterricht oder bei der Leitung von Workshops. Du machst kein formales Coaching, aber Dein Handeln speist sich aus dieser Quelle.

coachingpakete

Foto erstellt mit coachingspace

4. Fünf Merkmale eines coachingbasierten Workshops


4.1 Es setzt an an Bedeutsamkeit

Egal wo: Lernen und Veränderung gelingen nur, wenn das Thema für die einzelne Person tatsächlich relevant ist. Wenn es nicht nach Lehrbuch und Schema F geht, sondern um die Verknüpfung zur eigenen Person und zur eigenen Praxis. Die zentrale Frage lautet: „Was bedeutet dieses Thema in diesem Augenblick für Dich und Deine Situation?“


4.2 Coaching-Resonanz als Haltung

Es geht immer um den/die Teilnehmer:in, um deren Frage, deren Ziel, deren Thema, deren Anliegen im Kontext des Workshopsthemas. Es geht nicht darum, was ich als Leitung meine, "durchbringen" zu müssen, um meine Realität, um meine Bedeutsamkeit. Der Fokus liegt bei den Teilnehmenden, nicht bei der Leitung.

4.3 Unterstützung der individuellen Zielerreichung

Ein coachingbasierter Workshop ist so aufgebaut, dass die Menschen ihren eigenen Zielen und Fragen näherkommen. Das setzt voraus, dass wir diese Ziele vorab und zu Beginn überhaupt thematisieren, statt stur eine vorgegebene Agenda durchzuziehen.

4.4 Die Beziehungen stärken (zu sich, zu anderen, zum Thema)

Eine Person kommt in guten Kontakt mit sich selbst, in lebendigen Austausch mit den anderen (die Gruppe ist immer eine Ressource!) und in eine tragfähige Verbindung zum Thema. Wir arbeiten konnektiv.

4.5 Eine wertschätzende Atmosphäre mit Leichtigkeit und Humor

Niemand lernt gut unter Druck, niemand wagt Neues, wenn er oder sie auf der Hut sein muss. Ein wertschätzender Raum, in dem gelacht werden darf und Fehler willkommen sind, schafft die Basis für tiefgreifendes Arbeiten ohne schwere Beine.


5. Worauf es ankommt

Wenn Du selbst vor Gruppen stehst – ob im Team, im Projekt oder im Seminar: Du musst nicht die/der Alleinunterhalter:in sein, die alle Antworten parat hat.

Sobald Du den Raum so öffnest, dass Menschen an ihren eigenen Fragen arbeiten und miteinander ins Gespräch kommen, verändert sich die Energie. Du lehnst Dich innerlich zurück in den Regiestuhl, überlässt der Gruppe die Bühne und bleibst trotzdem hellwach.


Ein Tipp:
Wenn Du Workshops fundiert planen und gelassen leiten möchtest: Ende November 2026 öffnet die WorkshopManufaktur. Du kannst Dich ab sofort kostenfrei auf die Warteliste der WorkshopManufaktur setzen.
Wenn Dein nächster Workshop schon vor der Tür steht, lass uns direkt in einer WorkshopSprechstunde auf Dein Konzept schauen.

Margot Böhm schaut geradeaus

Über die Autorin

Margot Böhm

Margot Böhm ist Inhaberin des coaching.zentrum Sylt. Sie ist diplomierte Erziehungswissenschaftlerin (Erwachsenenbildung), SeniorCoach und LehrCoach (DCV) sowie behördlich geprüfte Darstellerin für Clowntheater und Komik.

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