_ do it your way.

Das Wie entscheidet.

Foto: Uwe Steinbrich  / pixelio.de                                                  

Keine neue Erkenntnis: nicht erst seit P. Watzlawick, P. Freire und F. Schultz-von-Thun wissen wir, dass wir das Was durch die Brille des Wie verstehen. Das Wie definiert die Botschaft. 

Scheinbar tadelnde Worte – mit leicht zugekniffenen Augen und einem Grinsen ausgesprochen – können als Kompliment gemeint und entsprechend verstanden werden. Eine scheinbar demokratische Gesinnung, als Hetze gegenüber Andersdenkenden vorgetragen, kehrt ihre möglicherweise gute Absicht ins Gegenteil.

Ebenso geschieht es im (Weiter-) Bildungsbereich, egal ob in der Schule, der Uni, der politischen Bildungsarbeit (falls es so etwas überhaupt – noch – gibt) oder im Unternehmenskontext: Bildungsinhalte zum Beispiel über Selbstbestimmung und Eigeninitiative oder modernes Führen und symmetrische Kommunikation, die als Frontalunterricht übermittelt werden, konterkarieren sich selbst.

Es kommt zudem nicht darauf an, dass wir als Teilnehmer_innen irgendwie beteiligt werden, sondern wie wir beteiligt werden, wie ernst man uns nimmt und als wie konstitutiv für das Gelingen unsere Teilnahme gewertet wird. Egal wie ausgefeilt ein Vortrag ist, wie gut präsentiert, wie lebendig und kreativ: wenn wir nur als „Publikum“ wahrgenommen werden und von oben nach unten „belehrt“, lernen wir vor allem zu konsumieren was man uns vorsetzt, brav zu zuhören, passiv Informationen zu empfangen und zu applaudieren. Oder allenfalls die Stirn zu runzeln und den Kopf zu schütteln. Wirkliche Gedankensprünge und neuartige Erkenntnisse sind in solch einem Setting extrem unwahrscheinlich. Egal um welches Thema es geht.

Warum wird das so selten berücksichtigt? Weder in der Schule noch auf Kongressen, Vortrags- oder in Bildungsveranstaltungen? So viel lernen wir in Weiterbildungen allein durch die Atmosphäre, Formate und Methoden. Ganz unabhängig von den Inhalten oder im Gegensatz zu ihnen. Das Menschenbild der Akteure zeigt sich in der Wahl des Wie.

Es gibt inzwischen viele erprobte Formate für verschiedenste Veranstaltungsformen, die alle Beteiligten als Akteure verstehen. Wenn wir wirklich Demokratie und reflektierte Selbststeuerung wollen, sollten wir sie flächendeckend nutzen, nicht nur in Ausnahmesituationen. Die dahinter stehenden Erkenntnisse der Erwachsenenbildung sind viele Jahrzehnte alt.

 

 

 

Posted by Margot Böhm

Margot Böhm ist Inhaberin des coaching.zentrum Sylt. Sie ist diplomierte Erziehungswissenschaftlerin (Erwachsenenbildung), SeniorCoach und LehrCoach (DCV) sowie Ausbilderin für Coaching.