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Coaching und Politik – Politik neu denken!

Wie können wir unser demokratisches System in die Zukunft führen?

Ich arbeite seit vielen Jahren mit meinen Kundinnen und Kunden an einer gemeinsamen Sicht von Wirklichkeit und daran, Ziele abzustimmen und gemeinsam Wege zu entwickeln, um sie zu erreichen. Kontexte und Ressourcen zu berücksichtigen, Zukunftsszenarien zu entwickeln. Interessen und Wünsche wahrzunehmen und auszuhandeln. Unterschiedliche strategische Vorstellungen miteinander in Einklang zu bringen.

Jetzt mache ich ehrenamtlich Kommunalpolitik – und reibe mir manchmal erstaunt die Augen.

Ich bin in diesem Zusammenhang in der Rolle einer, die sich inhaltlich positioniert. Ich bin als Politikerin nicht Coach. Aber meine Ideen davon, wie eine auch fraktionsübergreifende Zusammenarbeit professioneller ablaufen könnte, habe ich immer dabei. Wo treffen sich Coaching und Politik?

 

Die Engpässe: Welche gewohnten Denkmuster laufen einem konstruktiven Miteinander entgegen?

  • Kommunalpolitiker*innen arbeiten ehrenamtlich und haben weder selber endlos Zeit noch irgendwelche Mitarbeiter*innen, um sich in ALLE Themen zum Teil auch kurzfristig vertieft einarbeiten zu können.
  • Politiker*innen sind es nicht immer gewohnt, strategisch zu denken und Einzelentscheidungen im Blick auf das Ganze zu betrachten.
  • Parteien glauben, dass sie ihr „Klientel“ bedienen müssen. Das heißt sie fragen bei  Entscheidungen, welchen Einfluss diese auf ein nächstes Wahlergebnis haben könnte.
  • Parteien glauben, sich von anderen Parteien unterscheiden zu müssen. Es werden nicht Gemeinsamkeiten, sondern Unterschiede herausgearbeitet.
  • Politiker*innen glauben, die Auseinandersetzung hat in harschen, auch destruktiven Disputen zu erfolgen.
  • Persönliche Feindschaften aufgrund von erlittenen Verletzungen werden über Jahre hinweg gepflegt.
  • Man versucht zu gewinnen. Die Verzweiflung derer, die immer wieder unterliegen, wird nicht wahrgenommen, hat aber großen Einfluss auf die Zusammenarbeit.

 

Wie kann man damit umgehen und Politik neu denken?

  • Gewohnte Muster hinterfragen. Ist das wirklich so oder könnte es auch anders sein?
  • Experimentieren: mal versuchsweise Dialoge, Polyloge führen und miteinander nach konstruktiven Lösungen suchen, unterschiedliche Einschätzungen nutzen für ein bestmögliches Ergebnis
  • „Das eigene Klientel“ befragen oder auch neu definieren: welche Art von Politik und der politischen Arbeit wünschen sich die Menschen? Die „parteitreuen Wähler*innen“ (deren Zahl im Augenblick stark abzunehmen scheint) und die Nichtwähler*innen?
  • Mit Gelassenheit die anderen persönlich wertschätzen in ihrem Engagement und die eigene Auffassung fachlich (und manchmal auch ehrlich-persönlich) herleiten und erläutern.
  • Andere Auffassungen akzeptieren und bereit sein, sie wohlwollend zu bedenken.

Wird das dann alles ein Einheitsbrei oder Wischi-Waschi? Ist am Ende durch Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar, wer was eingebracht hat oder wie Entscheidungen zustande kommen? Sind dadurch die einzelnen Parteien nicht mehr erkennbar? Weiß man dann am Ende nicht mehr, wen man wählen soll? Wodurch sollen sich die einzelnen Parteien dann noch unterscheiden?

Geht es am Ende einfach darum deutlich zu machen, welche Partei sich welcher Themen besonders annimmt und sich deshalb auch besonders gut auskennt?

 

Und: was haben Coaching und Politik miteinander zu tun?

In meinem Artikel „Coaching kann mehr“ (im Buch von Ingrid Kadisch (Hg.): Wertefundierte Organisationsentwicklung 2019) habe ich ausdifferenziert, zu was Coaching beitragen kann anhand der Metapher der verschiedenen Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig).  Coaching in der Politik ist im Wesentlichen Coaching im Zustand der Gasförmigkeit. Es wird sich lohnen, das weiter zu denken.

 

Posted by Margot Böhm

Margot Böhm ist Inhaberin des coaching.zentrum Sylt. Sie ist diplomierte Erziehungswissenschaftlerin (Erwachsenenbildung), SeniorCoach und LehrCoach (DCV) sowie Ausbilderin für Coaching.